CEDES Insights: Innovation im Zeitalter der KI
Der schwierigste Teil der Entwicklung ist heute nicht mehr die Umsetzung einer Lösung. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, zu erkennen, was entwickelt werden soll und worauf es wirklich ankommt.
Lange Zeit war die Umsetzung der aufwendigste Schritt. Sie erforderte Zeit, Personal und Budget, und entsprechend wurden Prozesse und Organisationen darauf ausgerichtet. Das verändert sich gerade deutlich, und man spürt es im Arbeitsalltag. Code, Tests, Dokumentation oder ein erster Lösungsansatz mit mehreren Varianten: Was früher Tage in Anspruch nahm, ist heute oft innerhalb weniger Stunden erledigt. Für Forschung und Entwicklung ist dieser Geschwindigkeitsgewinn real und spannend, mitunter aber auch etwas beunruhigend.
Hinzu kommt, dass KI-Werkzeuge aktuell noch sehr kostengünstig sind. Lösungen, die kaum etwas kosten, übernehmen Aufgaben, die früher eine ganze Arbeitswoche füllen konnten. Wer jetzt lernt, diese Technologien effizient einzusetzen, wird sich einen entscheidenden Vorsprung verschaffen.
Doch nicht nur die Umsetzung verändert sich, sondern auch die eigentliche Entwicklungsarbeit. Ingenieure waren schon immer gute Verfasser von Inhalten, aber nicht unbedingt die besten Leser. Das ist einer von vielen Gründen für das unter Ingenieuren verbreitete „Not Invented Here“-Syndrom. Heute erstellt die KI den ersten Entwurf, während die Ingenieurin oder der Ingenieur liest, versteht und bewertet. Ist das Ergebnis korrekt? Wurde etwas übersehen? Lässt sich die Lösung skalieren? Ist sie robust? Wie verhält sie sich in Ausnahmefällen? Das sorgfältige Prüfen und Verstehen der Ergebnisse ist wichtiger denn je, denn eine selbstbewusst präsentierte falsche Antwort kann genauso überzeugend wirken wie eine richtige. In einem sicherheitsrelevanten Umfeld wie unserem bleibt die Verantwortung für Qualität und Zuverlässigkeit beim Menschen.
Und wenn die Umsetzung immer günstiger wird, gewinnt die Auswahl der richtigen Lösung entscheidend an Bedeutung. KI kann hundert verschiedene Optionen generieren. Sie kann jedoch nicht beurteilen, welche davon für unsere Kunden und für uns wirklich relevant ist. Dafür braucht es Erfahrung, Neugier und ein tiefes Verständnis des jeweiligen Problems. KI kann auch die falsche Lösung entwickeln, nur eben schneller. Zu erkennen, was tatsächlich wichtig ist, wird damit zur entscheidenden Kompetenz.
Deshalb investieren wir gezielt in die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Ingenieure müssen die Grundlagen verstehen, die richtigen Fragen stellen und vor allem die Perspektive sowie die Anforderungen unserer Kunden kennen.
Die Entwicklung mit KI ist heute günstig (noch). Zu wissen, was entwickelt werden sollte, ist unbezahlbar.
Klims Saikins